Opel Schlammschlacht kennt keine Gewinner

Der Karren steckt tief im Dreck. Heißt: Die Verhandlungen zwischen dem Opel-Management und den Arbeitnehmervertretern stecken fest. Damit noch nicht genug: Beide Seite haben die Gespräche über Kostensenkung, Personaleinsparungen, Investitionszusagen und Zukunftspläne zu einer Machtprobe entgleisen lassen. Betriebsratschef Schäfer-Klug wirft der Geschäftsleitung einen „Propagandakrieg“ vor und bezeichnet die bisherigen Angebote der neuen Muttergesellschaft PSA als „Diktat“. Der frühere IG-Metall-Chef Huber nennt das Vorgehen von PSA „Erpressung“. Opel-Chef Michael Lohscheller hat sich in dem Konflikt zuletzt auf Trump’sches Niveau herab begeben und eine Videobotschaft per Twitter verbreitet.

Opel ist in einer extrem schwierigen Situation. Der Absatz lahmt. Nach der Übernahme durch den Peugeot-Citroën-DS-Konzern herrschte für kurze Zeit Aufbruchstimmung. Endlich waren sie die Cowboys von General Motors aus Detroit los, die den europäischen Automarkt nie richtig verstanden hatten. Unter dem Dach des französischen PSA-Konzerns keimte Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die knapp 20 000 Opel-Mitarbeiter an den deutschen Standorten. Doch die Freude währte nur kurz. Der als harter Sanierer bekannte PSA-Chef Carlos Tavares legte ein Sparprogramm namens „PACE“ auf, das Personaleinschnitte ebenso vorsah wie Produktivitätssteigerungen in den deutschen Autofabriken. Die Rückkehr in die schwarzen Zahlen ist für 2020 geplant. Das Finanzziel scheint auch durchaus erreichbar zu sein. Schäfer-Klug sagt, es sei „kein Hexenwerk“, wieder Profit zu erzielen. Allein die Einsparungen beim Personal und die effizientere Produktion der Autos auf PSA- Plattformen garantiere das. Dass die PSA-Manager den Opelanern dennoch tief in die Tasche greifen wollen, machen die Arbeitnehmervertreter nicht mit. Sie fordern PSA auf, endlich alle Karten offen auf den Tisch zu legen und Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Doch sie stoßen damit auf Granit.

Die Auseinandersetzung droht zu eskalieren – bis hin zu Streiks. Das schadet der angeschlagenen Marke noch mehr. Eine Schlammschlacht kennt keine Gewinner. Nun ist guter Rat teuer. Noch ist nicht zu erkennen, wer den gordischen Knoten durchschlägt. Beide Seiten müssen sich aufeinander zu bewegen, sonst gehen in Rüsselsheim die Lichter aus.

michael.balk@fnp.de Bericht auf Seite 5

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