Fußball und Moral: Warum Heynckes‘ Verweis auf Trump daneben ist – Sport

Zu Recht schickt es sich nicht an, über Jupp Heynckes zu lästern. Der Mann hat sich seit inzwischen über fünf Jahrzehnten als professioneller Fußballspieler oder -trainer nie etwas zu schulden kommen lassen. Im Gegenteil, stets war er ein fairer Sportsmann. Er hat Beleidigungen gegen sich vor einem Millionenpublikum genauso stilvoll ertragen wie sämtliche Gemeinheiten, die so ein professioneller Fußballbetrieb eben mit sich bringt. Heynckes hat mit seinen 72 Jahren schon so viel erlebt, dass er es sich leisten kann, Teile des Spiels seiner eigenen Mannschaft zu verschlafen – und dies auch noch zuzugeben.

Bei aller Sympathie aber hat er sich am Montag doch eine kleine Dummheit geleistet. Hintergrund war seine Nachfolgeregung, die der FC Bayern München getroffen. Der Frankfurter Trainer Niko Kovac wird in der kommenden Saison anstelle von Heynckes die Münchner trainieren. Dass Kovacs noch aktueller Klub nun recht kurzfristig ohne Trainer dasteht und dies auch noch aus der Presse erfahren musste, gehört auch zu den Gemeinheiten des Fußballbetriebs. Der ist ein fieses Haifischbecken und dennoch finden viele, dass es schön wäre, würden dort ein paar moralische Regelungen eingehalten.

Wird die Blutgrätsche wieder salonfähig?

Als Heynckes am Montag zum Thema Anstand im Fußball angesprochen wurde, sagte er, dass sich so eine Diskussion erübrige, wenn die USA einen Präsidenten wie Donald Trump hätten. Sicher, Trump als Präsident der USA ist schlimmer als für alle Ewigkeiten einen Deutschen Meister namens Bayern München. Aber wo kämen wir denn hin, wenn Trump Einfluss hätte auf die ohnehin nicht besonders ausgeprägten moralischen Maßstäbe im deutschen Fußball? Entledigen sich künftig narzisstische Herrscher der Klubs via Kurzmitteilungsdienst ihres Personals? Werden Gegner verunglimpft, beleidigt und beschimpft? Und wie wirkt sich das auf den Fußballplatz aus? Wird die Blutgrätsche wieder salonfähig? Und wird derjenige, der an die Regeln erinnert, der Schiedsrichter, zur Persona non grata des Fußballs und bald aus dem Spiel entfernt, bis alle 22 Spieler inklusive Zuschauer wild übereinander herfallen?

Nein, mit dem Verweis auf Donald Trump lassen sich keine Fragen die Moral betreffend beantworten. Nicht einmal auf dem rohen Feld des Fußballbetriebs.

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