Paket mit Pyrotechnik in Berlin-Steglitz: Polizei geht von Zusammenhang mit DHL-Erpresser aus – Berlin

Schreck vor dem Wochenende: Drei Stunden lang war die Polizei am Freitag in Steglitz im Großeinsatz, nachdem Beschäftigte der Commerzbank in der Schlossstraße sie alarmiert hatten. Ein Postbote hatte ein Päckchen gebracht, in dem beim Öffnen Drähte zum Vorschein kamen. Die Polizei sperrte die Einkaufsstraße zwischen Grunewald- und Schildhornstraße in beiden Richtungen.

Um 12.45 Uhr trafen die Kriminaltechniker samt Sprengstoffroboter ein – und erkannten eine Zündvorrichtung, die sie vom Rest des Pakets trennten. Laut einer Polizeisprecherin wurde das Objekt in einen Durchgang zum Hinterhof der Bankfiliale gebracht. Dort wurde es von Spezialisten geöffnet und anschließend geöffnet. Es habe „pyrotechnisch-ähnliche Substanzen“ enthalten.

Ob der Vorfall etwas mit der spektakulären Millionenerpressung des Paketdienstes DHL zu tun hat, wegen der unter anderem im Dezember der Potsdamer Weihnachtsmarkt geräumt worden war, wird laut der Berliner Polizei derzeit geprüft. Nach Informationen des Tagesspiegel geht die Polizei in Brandenburg aber durchaus von einem Zusammenhang aus.

Der Inhalt solle zum Sprengplatz Grunewald gebracht und dort genauer untersucht werden. Erst dann wird auch klar werden, wie groß die Gefahr war, die von der Sendung ausging. Auch zum genauen Adressaten und zum möglichen Absender war zunächst nichts zu erfahren.

Durch die Sperrung der belebten Schloßstraße waren auch einige Läden und Wohnungen nicht mehr erreichbar. Ringsum staute sich der Verkehr, die BVG leitete mehrere Buslinien um. Betroffen waren der M48 und der M85 sowie die Linien 186 und 242. Nach 16 Uhr wurden die Sperrungen aufgehoben.

Gibt es eine Verbindung zur DHL-Erpressung?

Auch wenn die Polizei bisher keine klare Parallele zur DHL-Erpressung sieht, erinnert der aktuelle Fall daran. Die Erpresser hatten Anfang November an einen Händler in Frankfurt (Oder) und am 1. Dezember an eine Apotheke in Potsdam Paketbomben verschickt.

Daraufhin wurde der Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt teilweise geräumt. In beiden Fällen ging es glimpflich aus, die Bomben zündeten nicht. Die Empfänger alarmierten rechtzeitig die Polizei, die die Sendungen unschädlich machen konnte. Auch der Potsdamer Apotheker wurde misstrauisch, weil „da so komische Drähte herausguckten“.

Die Paketbomben – batteriebetriebener Zünder, eine mit Nägeln bestückte Metalldose samt Polenböller – hätten bei einer Explosion zu schwersten Verletzungen geführt. Ein beiliegender QR-Code führte zum Erpresserbrief. Die Täter fordern mehrere Millionen Euro vom Paketdienstleister DHL – ausgezahlt in der Kryptowährung Bitcoin. Damit wollen die Erpresser eine klassische Geldübergabe verhindern und kein Risiko eingehen, gefasst zu werden.

Brandenburgs Innenminister Karl- Heinz Schröter (SPD) hatte sich in den vergangenen Wochen zuversichtlich gezeigt, dass die DHL-Erpresser gefasst werden. Denn die Ermittler haben in den nach Potsdam und Frankfurt (Oder) geschickten Paketbomben die Spuren von mehreren Personen entdeckt.

Polizei geht von mehreren Tätern aus

Am Freitag hielt sich das Polizeipräsidium in Potsdam zum Stand der Ermittlungen zurück, was in solchen Fällen üblich ist. Ein Sprecher sagte nur, es werde weiterhin intensiv ermittelt. Die Sonderkommission „Quer“ beim Landeskriminalamt (LKA) mit rund 50 Beamten ist aber vorangekommen.

Die Ermittler gehen nach Tagesspiegel-Informationen inzwischen davon aus, dass hinter den Paketbomben mehrere Täter stecken. Bislang war stets nur von einem Erpresser die Rede. Zugleich lässt die Soko mit Hilfe von Experten anderer Bundesländer tausende Bilder von Überwachungskameras mit Spezialsystemen auf Treffer in Datenbanken prüfen. Innenminister Schröter hatte an die Erpresser appelliert, sie sollten aufhören, „bevor es Verletzte gibt“.

Seit der Paketbombe von Potsdam gab es zwar keinen weiteren Fall, aber deutschlandweit Fehlalarme. Meist wurden verdächtige Pakete gemeldet, die sich dann aber als harmlos erwiesen. Mal enthielten sie Bettwäsche, mal Autoteile – und in einem Fall einen Vibrator, der sich beim Einwerfen in den Briefkasten eingeschaltet hatte und brummte.

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